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Jannick und die Dicke Marie » Heidenkinder.de
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Jannick und die Dicke Marie

„Achtung!“ begleitet von wildem Geklingel und Geschreie sauste Jannick mit seinem neuen Fahrrad den Spazierweg am Seeufer entlang. Die Spaziergänger fanden das nicht besonders gut, aber einem fünfjährigen Lausejungen sieht man so was schon mal nach. Außerdem war es ein Donnerstag in einer gewöhnlichen Woche, so dass nicht so viele Menschen am See unterwegs waren.
Lachend drehte Jannick sich um, um zu sehen, wie weit er seine Oma schon abgehängt hatte.

Dabei wäre er fast ins Wasser gepurzelt, aber er konnte im letzten Moment den Lenker noch herumreißen. Laut johlend radelte er weiter. Ein kurzes Stück weiter kam der Abzweig mit dem Hinweisschild auf die Dicke Marie. Dahin wollte er mit seiner Oma, die schon viel von diesem alten Baum gehört hatte, aber noch nie dort gewesen war.

Jannick sah sich noch mal um. Weit, weit hinten erkannte er gerade noch seine Oma. Egal, sie konnte ja das Schild lesen. Entschlossen bog er in den Seitenweg ein, weg vom See. Ein kurzes Stückchen Waldweg, dann stand er vor der Dicken Marie.

Er war schon oft mit seiner Familie hier gewesen, hatte kleine Gaben in den Aushöhlungen des mächtigen Stammes hinterlassen, gesungen, den Göttern etwas erzählt, oder einfach nur Blödsinn gemacht, was eine Mutter dann nicht so klasse fand.

Die Dicke Marie ist eine uralte Eiche am Tegeler See in Berlin. Entsprechend groß und dick ist sie, was sehr beeindrucken sein kann, besonders, wenn man fünf Jahre und noch relativ klein ist. Nur wieso sie Dicke Marie hieß, wusste Jannick nicht. Er konnte sich auch nicht daran erinnern, dass ihm das schon jemand erklärt hatte. Scheinbar wussten die Erwachsenen das selber nicht so genau.

Jannick lehnte sein Fahrrad an eine Bank und setzte den Helm ab, er war jetzt doch ein wenig aus der Puste. Außer ihm war niemand da, es war ganz still, nur ein paar Vögel waren zu hören. Mama ermahnte ihn immer, in der Natur zumindest ab und zu mal still zu sein und zu horchen.

Jannick erinnerte sich, was Mama immer machte, wenn sie hier waren und ging um den dicken Stamm herum. Dort lehnte er sich an den Baum und machte die Augen zu. Das war ein ganz komisches Gefühl, so, als würde er mit dem Stamm verschmelzen. Das kitzelte ein bisschen, fühlte sich aber ganz warm an. Jannick drückte sich noch etwas näher an den Baum.

Er hörte Schritte. Das war bestimmt Oma. Er öffnete die Augen und lief um den Stamm herum, damit Oma ihn sehen konnte. Sie machte sich immer so schnell Sorgen. Platsch. Janick stolperte und fiel der Länge nach in den Matsch.

Direkt vor seiner Nase saß ein kleiner Wicht. „Wer bist denn Du?“ staunte Jannick. Mama erzählte ständig von kleinen Wesen, die sie die Wesen oder die Hüter des Platzes nannte. Sie ließ immer kleine Gaben zurück, um sich für die Gastfreundschaft zu bedanken. Auch in den Ritualen der Familie und Gruppe bedankten sie sich immer bei diesen Wesen, indem sie Opferbrot und Trank mit ihnen teilten. Nur gesehen hatte Jannick noch keins. „Ich wohne hier“, entgegnete der Wicht und Jannick war so schlau wie vorher.

Wieder hörte er die Schritte. Er rappelte sich zum Sitzen hoch. Das war eindeutig nicht seine Oma, die da den Waldweg entlang auf die Eiche zukam. Es war ein Mann. Sehr groß. Erst recht für einen Vorschüler, der auf dem Boden saß.

Der Wicht sprang auf eine der Bänke. „Sei gegrüßt, Weihegott!“ rief er vergnügt. Jannick kramte in seinem Kopf. Weihegott? Das war doch Thor! Das wusste er ganz genau, schließlich war Thor sein Fultrui. Irgendwie hatte er sich Thor anders vorgestellt. Nicht so ordentlich. Aber die Größe und Breite kam hin und er sah ganz schön stark aus.

Mit langen Schritten umrundete er die Dicke Marie. Dabei schaute er sorgfältig in die Aushöhlungen und Mulden des Stammes. Da und dort holte er etwas hervor. Währendessen plapperte der Wicht munter. Er erzählte, was sich seit dem letzten Besuch des Gottes so alles unter diesem Baum zugetragen hatte. „Es kommen immer mehr Menschen her, die verstehen, dass das hier ein Ort ist, an dem sie Dich erreichen können.“, freute er sich. „Du bist und bleibst der Schützer der Menschen!“ Der Wicht strahlte.

Thor lächelte breit, als er sich zu dem Wicht auf die Bank setzte und die Gaben zwischen ihnen ausbreitete. „Ein Paar hat sich hier sogar das Versprechen gegeben, sich die Treue zu halten“, redete der Wicht weiter. Thor nickte. „Ich weiß, ich habe sie gesegnet!“ Er schob dem Wicht ein kleines Stück Gebäck zu. „Vergiss nicht, es mit den Tieren zu teilen“; mahnte er. „Natürlich nicht, wie könnte ich das vergessen.“

Einige Menschen hatten auch kleine Zettel mit Bitten an die Götter hier hinterlassen. Thor schaute sie alle sorgfältig an. An seinem Gesicht erkannte Jannick, dass er schon darüber nachdachte, wie er seinen Schützlingen bei ihren Problemen helfen konnte.

Schließlich stand er auf. „Leb wohl, bis zum nächsten Mal“, verabschiedete er sich von dem Wicht. Jannick gefiel es, wie dieser riesenhafte Gott das kleine Wesen beachtete. „Achte gut auf diesen Platz, er ist mir heilig!“. Der Wicht verneigte sich. Als er sich wieder aufrichtete, war Thor verschwunden. Jannick hatte ihn nicht gehen sehen, er war einfach fort.

„Jannick? Jannick!“ Das war Omas Stimme. Schnell stand Jannick auf, klopfte sich ein bisschen die Erde von der Hose und rief „Ich bin hier, Oma!“ Er winkte ihr. Bevor er ihr entgegenlief, musste er noch etwas erledigen. Aus seiner kleinen Fahrradtasche kramte er die Dose mit Keksen. Davon zerkrümelte er welche am Fuß des Eichenstammes. „Danke!“, murmelte er leise.

Nachdem abends etwas Gras über Omas Standpauke gewachsen war und Jannick eingekuschelt in seinem Bett lag, sah er zu seinem Bild von Thor hinüber, das an der Wand hing. Und er fühlte sich sehr gut, einen so tollen Fultrui zu haben.

3 Kommentare

  1. Skald:

    Einfach nur schön! Habe ich mit kindlichem Vergnügen gelesen!

    LG

    Skald

  2. Hörnchen:

    Oh, wie wunderschön das geschrieben ist. Vielen Dank für diese tolle Geschichte!!

    Liebe Grüße und Heil Dir und Deiner Familie

    Hörnchen

  3. Wulfhilds Geschichten « Alte Sitte:

    […] “Jannick und die Dicke Marie“ […]

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