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Ostara – Midgard » Heidenkinder.de
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Ostara – Midgard

„Könnt ihr nicht mal aufräumen?“ schimpfte Mama, als sie zum dritten Mal an diesem Morgen über Playmobil-Teile stolperte, die in der ganzen Wohnung verteilt waren.

„Das sind meine Länder“, erklärte Erik. „Die kämpfen mit einander.“

Mama verdrehte die Augen. „Hilf mir lieber.“

„Ok, was gibt es?“ gnädig schob Erik seine Figuren zur Seite und folge Mama in die Küche. Auch seine Schwester Elke kam dazu.

„Ich brauche einen Teigkneter und einen Eierfärber“, verkündete Mama. Die Kinder hoben gleichzeitig ein Geschrei an, aus dem man entnehmen konnte, dass beide beides machen wollten. „Kein Problem. Erst knetet Erik und Elke färbt eine Ladung Eier und dann wird getauscht, wir müssen sowieso zwei Mal backen.“

Der Nachmittag verging auf diese Weise recht schnell und am Ende hatte die Küche große Ähnlichkeit mit einem Schlachtfeld. Als Papa nach Hause kam waren die Arbeitsflächen noch immer mit einer dünnen Mehlschicht bedeckt, die nur von Flecken bunter Eierfarbe unterbrochen wurde. Erik lag schon in der Badewanne zum Einweichen, damit die Teigreste sich von seiner Haut lösten.

Aber der Duft ließ Papa das Wasser im Mund zusammenlaufen. „Nichts da“, wies Mama ihn zurück. „Opferbrot für morgen.“

Nach dem Abendbrot versammelte sich die Familie an ihrem Altar, um das Ostarafest einzuläuten. Auf dem Altar standen außer den üblichen Utensilien noch eine Vase mit Frühlinsblumen und eine Schale mit kleinen Gebildebroten in Form von Hasen und Küken, die die Kinder am Nachmittag gebacken hatten und für jeden ein gefärbtes Ei.

Erik entzündete die Kerzen, das war seit jeher seine Aufgabe. Elke kümmerte sich um die Räucherung. Vorsichtig hielt sie das Kohlestück mit einer Pinzette in die Flamme, bis es funkte. Sie platzierte die glühende Kohle in der Räucherschale und häufelte etwas Sand darüber, bevor sie das Räucherwerk auflegte.

Papa sprach die einleitenden Worte und mit dem kleinen Familienritual begann das Ostarafest.

Am nächsten Tag trafen sie sich mit ihren Freunden aus dem Herd. Es gab ein richtig großes Blôt. Das Opferbrot hatten Mama, Erik und Elke als großes Nest gestaltet, in dessen Mitte die gefärbten Eier lagen.

Nach dem Ritual gab es ein schönes Picknick am Blôtplatz. Es war zwar noch nicht sehr warm, aber die Sonne schien und es reichte, um mit Jacke draußen zu sitzen, heißen Tee zu trinken und leckeren Salat mit Würstchen zu essen.

Als sie später nach Haus fuhren, hatte Erik das Gefühl, es wäre wirklich spürbar heller als noch am Tag davor. Er sah mehr Blüten und Knospen und frisches Grün.

Als Erik am nächsten Morgen erwachte, war es noch ganz still in der Wohnung. Leise stand er auf, schlüpfte in seine warme Jacke und lief in den Garten. Er hatte Recht gehabt. So viele Krokusse und Schneeglöckchen waren gestern noch nicht da gewesen. Erik war sich sicher. Und der Strauch in der hinteren Gartenecke hatte auch noch keine so großen Knospen gehabt.

Was schimmerte denn da? Es sah aus, als hätte sich Nebel in der Gartenecke gesammelt. Aber dieser Nebel schillerte in den Farben des Regenbogens.

Erik musste unwillkürlich an Bifröst denken. Heimdall, Bifrösts Wächter ist auch ein strahlender Gott.

„Heimdall?“ flüsterte Erik. Aus dem Nebel kam ein helles Lachen. „Ich wusste gar nicht, dass Heimdall für die Fruchtbarkeit zuständig ist.“

Natürlich nicht, Erik schämte sich, wie dumm von ihm. „Aber Du siehst aus wie ein Regenbogen, wie Bifröst“, verteidigte er sich.

Die Nebelstimme lachte wieder. „Vielleicht wie die Farben der Blumen?“

„Ostara!“ Erik war platt. Jetzt erkannte er in dem wabernden Nebelgebilde undeutlich die Umrisse verschiedener Blüten, die in allen Farben schimmerten. Der Nebel schien die Form einer Frau anzunehmen, aber die Konturen waren verschwommen.

„Was tust Du hier?“ Mist, wieder eine dumme Frage.

„Was glaubst Du, was ich tue?“

Erik erinnerte sich an das, was seine Eltern immer zu dieser Jahreszeit sagten. „Du segnest die Samen und Pflanzen.“

„Genau! Das tue ich. Und in Eurem Garten ist vieles zu segnen, weil ihr einen so guten Zufluchtsort für Tiere und bedrohte Pflanzen geschaffen habt. Das macht mir viel Freude.“

Erik war ein bisschen stolz, schließlich hatte er Mama und Papa viel im Garten geholfen. Beim Bau des Hochbeetes oder beim Aussäen war er immer fleißig dabei gewesen.

Und seine Eltern hatten nie vergessen, um den Segen der Götter für ihre Vorhaben zu bitten und für die Ernte zu danken. Als er noch kleiner und ungestümer war, hatten sie ihn immer wieder daran erinnert, dass alle Pflanzen gesegnet sind und mit Achtung behandelt werden sollten.

Es kam Erik so vor, als würde der bunte Nebel lächeln.

„Ich muss weiter“, sagte die Stimme.

„Bis zum nächsten Jahr!“ rief Erik noch, dann löste sich der Nebel auf.

Nachdenklich ging Erik zu dem kleinen Altar, den seine Familie im Garten errichtet hatte. Dort lag eine kleine, blaue Blüte. „Ostara?“ Aber er bekam keine Antwort mehr.

„Erik, Erik! Willst Du denn gar nicht wach werden? Frühstück ist fertig!“ Das war doch Elkes Stimme. Verwirrt öffnete Erik die Augen.

Wo war er? Oh, in seinem Bett. Noch ganz benommen schlug er die Bettdecke zurück und wollte aufstehen. Da fiel sein Blick auf eine kleine, blaue Blüte, die auf seinem Laken lag. Vorsichtig nahm er sie und legte sie auf seinen Nachttisch. „Danke, Ostara!“ Flüsterte er.

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