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Pumpans Ur-Ur-Enkel auf großer Fahrt – Teil 1 Die Himmelsscheibe von Nebra

Nach einigen Diskussionen, was und wie viel gekocht werden sollte, was alles mitzunehmen sei und welchen Luxus ein Heide für eine Zeltnacht so braucht, war es Freitagmorgen endlich soweit und Pumpans Herd rollte Richtung Thüringen.

Erste Station war Freitagmittag das Landesmuseum von Sachsen-Anhalt in Halle. Dort ist im obersten Stockwerk im Bereich der Vorgeschichte auch die Himmelsscheibe von Nebra ausgestellt. Im Museum war natürlich photographieren verboten, so dass ich leider keine eigenen Bilder beisteuern kann.

Der erwähnte Neandertaler

Der erwähnte Neandertaler

Der Weg zum Raum, in dem die Himmelsscheibe ausgestellt ist, dauerte lange, weil wir uns die anderen Räume natürlich auch genau angeschaut haben. Ich finde, dass das Museum sehr schön anschaulich gestaltet ist. Beispielsweise gibt es eine lebensgroße Elefanten-Figur oder einen Neandertaler, bei dem man jede Sekunde damit rechnet, dass er sich bewegt, so lebendig sieht er aus. Ein wenig spöttisch verfolgt er das Treiben der Besucher.

Auf Texttafeln, die in Museen ja ganz schön anstrengend sein können, wurde u.a. bildhaft das Leben einer Sippe während eines Jahres für verschiedene Epochen erzählt.

Die Schamanin von Dürrenberg

Die Schamanin von Dürrenberg

Mir persönlich hat die Darstellung des Grabes einer Schamanin sehr gut gefallen. Ihr Skelett und die dazugehörigen Grabfunde sind in einem separaten, etwas abgedunkelten Raum untergebracht. Dort findet sich auch eine Büste, die zeigt, wie sie zu Lebzeiten vielleicht ausgesehen hat.

Es wurde dieser interessante Fund der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und gleichzeitig die Würde der Toten so gut wie möglich bewahrt. Das fand ich bemerkenswert. Dieser Raum hat auch eine ganz eigene Atmosphäre.

Lezteres gilt natürlich fast noch mehr für den Raum mit der Himmelsscheibe. Dieser Raum ist bis auf die Vitrinen völlig dunkel. Das hatte ersteinmal zur Folge, dass ich beinahe einen Sicherheitsmitarbeiter umgerannt hätte und mich ganz schön erschrocken habe.

Und in dieser Dunkelheit findet man, gut genug beleuchtet, diese Zeugin der Vergangenheit. Das ist ganz schön beeindruckend. Der vorhergehende Raum liefert die Informationen zu den Fundumständen und die aktuelle Deutung der Darstellungen auf der Scheibe. Und dann kann man es am Original nachvollziehen.

Die Himmelsscheibe von Nebra

Die Himmelsscheibe von Nebra

Ich versuche, kurz zusammenzufassen, was ich u.a. im Kindernetz gefunden habe:

1. Fundumstände

Nicht Archäologen haben die Himmelsscheibe gefunden, sondern zwei Raubgräbern, denen natürlich überhaupt nicht klar war, was sie da in Händen hielten. Sie dachten, es handele sich um das Mittelteil eines Schildes und versuchten, die Scheibe unsachgemäß zu reinigen. Das war 1999 auf dem Mittelberg bei Nebra in Sachsen Anhalt.

Erst 2002 wurden die Räuber gestellt und die Himmelscheibe erfuhr endlich angemessene Behandlung. Erstaunlich, dass sie nicht noch mehr beschädigt wurde.

Die lange Zeit in der Erde hat natürlich auch Spuren hinterlassen. Die grüne Färbung z.B. ist Korrosion, ursprünglich war die Scheibe dunkelbraun oder schwarz.

2. Alter

Genaue Untersuchungen ergaben, dass die Scheibe tatsächlich aus dem Gebiet stammt, wo sie gefunden wurde. Wissenschaftler datieren ihr Herstellungsdatum etwa um 1600 vor unserer Zeitrechnung! Wenn das nicht alt ist.

3. Darstellung

Was bedeuten nun die Darstellungen auf der Scheibe?
Einfach gesagt bilden sie den Sternenhimmel ab.

Auffällig sind die Mondsichel und der goldene Kreis, der anfänglich für die Sonne gehalten wurde. Später erkannte man ihn als Vollmond. Dazu kommt eine Ansammlung von 7 Goldpunkten zwischen den Monden. Dabei handelt es sich um die Plejaden. Die Plejaden, oder Siebengestirn sind eine charakteristische Ansammlung von sieben Sternen, der noch immer besondere Bedeutungen zugeschrieben wird. Sie sind nicht das ganze Jahr über am Himmel zu sehen (auf der nördlichen Erdhalbkugel), ihre Auf- und Untergangszeiten hatten eine große Bedeutung für das bäuerliche Leben unserer frühen Vorfahren.

Weiter fallen die goldenen Bögen am Rand der Scheibe auf. Sie repräsentieren den Winkel zwischen Sonnenauf- und Untergangsort an den Sonnwenden.

Das dritte auffällige Element ist ein weiterer goldener Bogen. So ganz sicher scheinen sich die Wissenschaftler nicht zu sein, was er denn genau bedeutet. Im Moment vermuten sie in ihm eine Sonnenbarke, also ein Schiff, das die Sonne trägt.

Hört sich kompliziert an? Naja, hier versuchen Wissenschaftler etwas sehr, sehr altes zu verstehen. Aus einer Zeit, von der wir sowieso nur sehr wenig wissen. Wir wissen nicht, was die Menschen zu dieser Zeit gedacht haben. Ich bin auf jeden Fall sehr beeindruckt von dem Wissen, das sich hinter Gegenständen wie der Himmelsscheibe von Nebra verbirgt. Und auch von den handwerklichen Fähigkeiten.

Wir denken manchmal, unsere Vorfahren waren dümmer als wir. Ich bin mir da nicht so sicher. Dazu gibt es zu viele Hinweise darauf, dass sie über einiges Wissen verfügten, das wir heute gar nicht mehr haben!

Aber ich will hier ja nicht philosophieren. Es wäre schön, wenn ich Euch etwas neugierig gemacht habe.

Eure
Wulfhild

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