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Almuths Rune – Teil 1 » Heidenkinder.de
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Almuths Rune – Teil 1

Almuth war gespannt wie ein Flitzebogen. Zusammen mit sechs anderen Kindern saß sie auf einem großen weichen Kissen auf dem Boden und wartete darauf, dass es losging. An den Wänden des Raumes standen ein paar Tische, auf denen einiges aufgebaut war: Viel Papier und Stifte, Knete, Bücher, Holz, Leder und mehr.

Guntram und Alruna standen an der Tür und sprachen miteinander. Sie waren die einzigen beiden Erwachsenen. Eigentlich hießen sie natürlich nicht Guntram und Alruna, aber Almuth kannte ihre anderen Namen nicht und scheinbar die anderen hier auch nicht, vielleicht welche von den Erwachsenen. Aber die waren gerade unterwegs, um sich irgendein stinklangweiliges Museum anzusehen. Nur Guntram und Alruna waren geblieben, um mit den Kindern einen Workshop über Runen zu machen.

Almuth fand das toll. Selbstverständlich wusste sie, dass Odin die Runen gefunden hatte, nachdem er neun Tage und Nächte am Weltenbaum gehangen hatte und sie konnte auch ihren Namen in Runen schreiben. Aber was sie bedeuteten, wusste sie nicht so genau. Wenn sie ihre Eltern danach fragte, bemühten sie sich zwar immer sehr, ihr etwas zu erklären, aber Almuth verstand nicht viel. Fehu war irgendwas mit Kühen und Tiwaz hatte was mit Tyr zu tun.

Guntram sah auf die Uhr und schloß die Tür. Alruna saß schon auf dem Fußboden neben der Stelle, wo ein großer Block auf einem Holzgestell befestigt war. Die Kinder wurden leise und sahen erwartungsvoll auf die Erwachsenen.

Alruna strahlte in die Runde. „Hallo! Schön, dass ihr hier seid!“ begrüßte sie die Kinder. „Wir wollen ja dieses Jahr einen Wokshop über Runen für Euch machen. Wir machen das zum ersten Mal, deshalb müsst ihr uns gut helfen, damit es auch klappt.“ „Auf jeden Fall machen wir uns heute und morgen einen schönen Tag … und vielleicht haben wir morgen etwas, was wir Euren Eltern und den anderen Erwachsenen zeigen können“, ergänzte Guntram.

„Also los, ihr Heidenkinder! Ihr kennt bestimmt schon einige Runen. Lasst uns mal sammeln!“ Alruna nahm einen dicken Stift. Ihr Sohn Ansgar platze sofort heraus: „Algiz!“ „Ok, weißt du, wie Algiz aussieht?“ Alruna reichte ihm den Stift. Selbstbewusst malte Ansgar „seine“ Rune auf den Block. Jetzt riefen alle Kinder durcheinander, und vor dem Block bildete sich ein Knäuel. Die meisten konnten ihren Namen in Runen schreiben, und so stand fast das ganze Futhark auf dem Zettel, als endlich alle ihr Pulver verschossen hatten.

Almuth war etwas schüchtern gewesen. Aber Alruna hatte das gemerkt, war zu ihr gekommen und hatte sie nach ihrer Lieblingsrune gefragt. „Uruz“, hatte sie geantwortet und war sich unendlich blöd vorgekommen. Almuth war klein und schüchtern und wurde sehr schnell rot. Deshalb wurde sie ständig gehänselt, was alles noch schlimmer machte. Sie hatte in einem Runenbuch ihrer Eltern einmal nachgeschlagen, was Uruz bedeutet und „Urkraft, Auerochse“ gefunden.

Nichts schien weniger zu Almuth zu passen. Aber immer beim Runengesang vibrierte es bei dieser Rune  im ganzen Kopf bis in den Bauch und sie fühlte sich ganz stark. Alruna schien das zu verstehen, ohne, dass Almuth ihr etwas erklären musste. Sie nickte nur anerkennend und fragte, ob sie sie schreiben könnte. Unsicher nickte Almuth, ging zum Block und zeichnete etwas zittrig die Rune. Ihr Herz klopfte und sie fühlte wieder etwas von dieser Kraft.

Nachdem die Kinder wieder auf ihren Kissen saßen und sich etwas beruhigt hatten, fragte Guntram, ob sie Lust hätten, die Runen mit ihren Körpern darzustellen. Sofort flogen sechs Kissen quer durch den Raum, um Platz zu schaffen. Nacheinander zeigten Guntram und Alruna den Kindern, wie sie die Runen stellen konnten. Manchmal gab es auch verschiedene Möglichkeiten.

Almuth ließ den Oberkörper und die Arme nach unten hängen. Sie fand es einfach, Uruz darzustellen. Sie schloss die Augen und hörte das Rauschen ihres Blutes in den Ohren. Das Lachen und Albern der Anderen und Guntrams Stimme klangen nur noch gedämpft. Als sie sich schließlich wieder aufrichtete, war ihr ganz schwindelig.

Die beiden Erwachsenen wollten natürlich wissen, wie es den Kindern gegangen war, was Spaß gemacht hatte und wie es sich angefühlt hatte, in einer Runenstellung zu sein.

Wieder redeten alle durcheinander, was bei sechs Kindern schon ganz schön laut ist. Lachend bat Alruna darum, dass einer nach dem anderen sprechen und jeder den anderen zuhören sollte. Das klappte dann ganz gut und es kamen spannende Sachen heraus. Manchen hatte die Stellung ihrer Lieblings- oder Namensrune am besten gefallen, andere hatten eine neue Lieblingsrune entdeckt. Alruna lächelte Almuth aufmunternd an, aber als diese nur rot wurde und schluckte, zwinkerte sie dem Mädchen zu und wandte sich an ein anderes Kind.

Dann sangen sie noch gemeinsam die neuen Lieblingsrunen der Kinder, dann fragte Guntram:
„Was haltet ihr von einer kleinen Pause?“ Angesichts der Kekse und Krüge mit Saft waren alle der Meinung, das sei eine gute Idee.

Nach der Stärkung sprachen Alruna und Guntram noch einmal über die Bedeutungen der Runen, die die Kinder besonders angesprochen hatten. Erstaunlicherweise (Guntram und Alruna sahen allerdings kein bisschen erstaunt aus, sondern schienen so was eher erwartet zu haben) passte die Bedeutung meistens zu dem, was die Kinder in den Runenstellungen oder beim Singen der Runen empfunden hatten.

Mario hatte sich für Tiwaz entschieden und erzählte, dass er sich wie ein Pfeil gefühlt hatte, der auf sein Ziel zuflog. Lisa hatte Isa ausprobiert, was ihr gar nicht gefallen hatte, weil sie sich ganz erstarrt fühlte. In der Stellung von Laguz war das ganz anders gewesen.

Zum Ende des Nachmittags erklärte Guntram noch, was sie weiter vorhatten. Jedes Kind durfte sich aussuchen, wie es „seine“ Rune basteln wollte. Backen, Kneten, in Holz brennen, auf Stein malen oder was ihnen sonst noch einfiel. Das war dann ihr Programm für den nächsten Tag, wenn die anderen ihr Thing abhalten würden.

„Können wir uns auch verschiedenes aussuchen?“ fragte Almuth und wurde rot. Aber sie musste es wissen, sie konnte sich nämlich nicht zwischen Holz ritzen, Backen und Kneten entscheiden. „Wenn Zeit ist, ist das kein Problem“, sagte Alruna.

Es klopfte an der Tür und eine Mutter erschien. „Wir sind wieder da“, verkündete sie, „und gleich gibt es Abendbrot.“ „Wir kommen gleich“, erwiderte Guntram. Zum Abschluss stellten sie sich im Kreis auf, nahmen sich an den Händen und sangen alle Runen. Almuth hatte eine Gänsehaut, so schön war das.

An diesem Abend dauert es lange, bis Almuth einschlafen konnte. Sie stellte sich immer wieder den kräftigen Auerochsen vor: Seine Muskeln, die sich unter seinem Fell abzeichneten, seine Kraft. Leise sang sie Uruz vor sich hin und einmal stand sie sogar noch auf, um die Rune zu stellen. Es fühlte sich genauso an, wie am Nachmittag, nur war es jetzt schon ein vertrautes Gefühl.

Teil 2 folgt!

1 Kommentar

  1. Wulfhilds Geschichten « Alte Sitte:

    […] und den ersten Teil der bisher längsten Geschichte “Almuths Rune“ […]

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