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Almuths Rune – Teil 2

Am nächsten Morgen kaute sie gedankenverloren an ihrem Frühstücksbrötchen. Zum Glück merkte ihre Mutter gar nichts davon, weil sie mit ihrer Tischnachbarin über irgendetwas sprach, was beim Thing besprochen werden sollte.

Bald nach dem Frühstück wurde das Thingblôt abgehalten. Almuth grübelte die ganze Zeit darüber nach, ob sie Uruz jetzt backen oder ritzen sollte. Beim Runa Galdr war sie allerdings hellwach und erlebte es ganz anders, viel intensiver, als bisher. Bisher war es auch schön gewesen, geheimnisvoll, aber jetzt war sie ganz anders dabei.

Endlich trafen sich die Kinder wieder mit Guntram und Alruna. Diesmal standen die Tische verteilt im Raum. Auf jedem Tisch waren die Werkzeuge für ein anderes Projekt.

Mario stürzte sich gleich auf die Ledersachen. Er wollte seinen Namen in Runen und Tiwaz auf ein Lederarmband brennen. Ansgar gesellte sich zu ihm. Petra hatte sich dafür entschieden, die Runen ihres Namens aus Salzteig machen, Ulrike wählte Steine, um die ersten Teile für ein komplettes Runenset daraus zu machen. Daniel nahm Fimo, weil das schon so schön bunt war.

Almuth stand unschlüssig im Raum. Alruna kam auf sie zu. „Na, was magst Du?“ wollte sie wissen. „Ich möchte es immer dabei haben“, antwortete Almuth. „Wie wäre es mit einem Holzanhänger?“ schlug Alruna vor. Almuth überlegte und stimmte dann zu. „Gute Idee, hilfst Du mir?“ „Na klar, dafür bin ich doch hier!“

Alruna ließ Almuth einen Anhänger aussuchen. Sie hatten zu Hause schon verschiedene Formen vorbereitet und Löcher zum Durchziehen eines Lederbandes gebohrt. Almuth wählte eine ovale Holzscheibe. Sorgfältig zeichnete sie ihre Rune mit einem weichen Bleistift vor. Alruna nickte. „Prima! Willst Du selber brennen, oder soll ich das machen?“ Almuth holte tief Luft. Sie war versucht, Alrunas Angebot anzunehmen, aus Angst, es nicht richtig zu machen. Energisch schüttelte sie den Kopf. „Ich mache es selber, ich habe auch so einen Brenner zu Hause.“ Sie nahm das Werkzeug, das bereits vorgeheizt war. Sehr konzentriert zog sie die vorgezeichneten Linien nach. Es war nicht schwer, aber irgendwie anstrengend, weil Almuth ihre ganze Kraft in diese Arbeit einfließen ließ.

Stolz hielt sie ihr Werk hoch. „Klasse!“ Guntram war hinter sie getreten und lobte sie. Er gab ihr ein Lederband, damit sie ihren Anhänger gleich umhängen konnte.

Nach und nach wurden alle Arbeiten fertig. Nur die Fimo-Darstellungen und der Salzteig mussten noch in den Backofen.

Guntram erklärte, was sie sich als letztes Projekt ausgedacht hatten und alle Kinder fanden es toll. Damit wollten sie nach dem Thing ihre Eltern überraschen. Aber erst war Mittagspause.

Der Nachmittag verging schnell, die Kinder hatten viel Spaß und es wurde viel gelacht. Mit Verschwörermienen erschienen sie zum Abendbrot, wo die Erwachsenen noch weiter über die Themen des Things redeten.

Später trafen sich alle im Gemeinschaftsraum. Guntram stand auf und bat um Ruhe. Er erzählte kurz von dem erfolgreichen Runenworkshop. „Und damit ihr jetzt auch was davon habt, möchten die Kinder Euch gerne etwas zeigen.“ Jetzt war es an den Erwachsenen, gespannt und erwartungsvoll auszusehen.

Alruna stand in der Ecke und startete eine CD, leise Musik erklang. Die aufgeregten Kinder standen im Kreis und intonierten die Runen, was sich mit den Kinderstimmen ganz besonders schön anhörte. Einige der Erwachsenen bekamen eine Gänsehaut.

Die Kinder öffneten den Kreis und verteilten sich, langsam nahm jeder die Stellung „seiner“ Rune ein, und genauso langsam kamen sie wieder zurück, trafen sich und bildetet gemeinsam eine Rune: Mannaz, die Rune der Gemeinschaft.

Alruna schaltete die Musik aus. Einen Moment bleib es noch still, dann applaudierten alle begeistert. Die Kinder rannten zu ihren Eltern und redeten drauflos. Nur Almuth blieb vorne stehen. Sie hüstelte. Endlich wurde es wieder ruhiger. Alle sahen Almuth fragend an, deren Wangen schon wieder rötlich wurden. „Ich habe einen Vorschlag“, sagte sie mit leicht zittriger Stimme, aber fest entschlossen. „Können wir ein kleines Blôt machen? Es wäre doch schön, wenn unsere Runen geweiht werden würden.“ Almuths Mutter staunte: Ihre schüchterne Almuth als Sprecherin. Wow! Sie freute sich sehr.

Almuths Vorschlag fand Anklang und schon ein paar Minuten später traf sich die ganze Gruppe draußen zu einem kleinen, feinen, spontanen Ritual. Die Runen der Kinder wurden geweiht und eine Sumbelrunde gehalten. Als das Horn bei Almuth ankam, hob sie es und sagte: „Heil Odin, danke für die Runen!“

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