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Der Brunnen – Teil 1 » Heidenkinder.de
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Der Brunnen – Teil 1

Aus einer einzelnen dicken grauen Wolke, die sich über den ganzen Himmel erstreckte, prasselte der Regen auf die Sonnenschirme des Eiscafés, unter denen sich die Leute schutzsuchend drängten.

Thor donnerte mit Getöse über den Himmel, dass es krachte und Blitze die trübe Regenwand erhellten.

Jens war weit von den schützenden Schirmen entfernt, aber nach Eis stand ihm im Moment sowieso nicht der Sinn. Bisher hatten die alten Bäume des Waldes ihn etwas beschirmt, aber jetzt trat er hinaus in das freie Gelände. Er zog sich die Kapuze tiefer ins Gesicht und vergrub seine Hände tief in den Taschen seiner Jacke. Der Regen bildete einen Schleier, der alles rundherum nur schemenhaft durchschimmern ließ.

Vor ihm erstreckte sich eine weite Wiese, die rundherum von Wäldern umschlossen war.

Etwa in der Mitte der Wiese trat Jens durch den Schleier hindurch. Das bedeutet, er hatte das Gefühl, durch diese Wasserwand zu gehen. Dahinter regnete es nicht mehr so sehr, es blieb aber alles grau in grau und Nebelschwaden wabberten am gerade noch erkennbaren Waldrand. Auch erschien es Jens jetzt stiller, aber das konnte auch am nachlassenden Regen liegen, der bald sogar ganz aufhörte.

Jens schob sich die Kapuze vom Kopf und sah sich um. War das da eine Person mit wehendem Umhang? Oder nur ein Nebelschwaden? Jens kniff die Augen zusammen, aber er konnte es nicht genau erkennen. Eine kühle Windboe streifte ihn, so dass eine Gänsehaut sein Rückgrat entlangkroch.

Jens ging weiter auf den Waldrand vor ihm zu. Als er ihn erreichte, blieb er kurz stehen, um sich umzusehen. Doch er konnte nicht weit gucken, so dicht war hinter ihm der Nebel geworden. Wieder streifte ihn etwas, diesmal fester, wie ein wollener Umhang ….

Jens fürchtete sich nicht. Seit er Heide geworden war, war er sehr oft alleine im Wald gewesen. Er hatte dort einen Ort gefunden, wo er ungestört seine Rituale abhalten konnte. Er hätte die Feste und so lieber in der Gemeinschaft gefeiert, aber seine Eltern waren völlig dagegen. Sie waren nicht mal bereit, ihm zuzuhören. Kamen mit irgendwelchen Vorurteilen und wollten ihm nicht zuhören. Sie redeten immer über Politik, den letzten Weltkrieg und darüber, was die Nachbarn denken würden, wenn er mit seinem Thorshammer um den Hals rumlief. Kurz, sie waren entsetzt.

Jens lies sich aber nicht beirren. Über das Internet stand er mit seinen Heidenfreunden in Kontakt und einmal konnte er heimlich ein Treffen besuchen. Aber heimlich war blöd und lügen erst recht! Schließlich gehörte Wahrheit zu den neun edlen Tugenden. Na und seinen Hammer trug er eben unter dem T-Shirt.

Er bemühte sich, seinen Eltern zu beweisen, dass sie Unrecht hatten. Daß es NICHT nur eine neue Spinnerei war, die er sowieso bald wieder aufgeben würde. Merkten sie denn nicht, wie er sich verändert hatte?

Er traf sich nicht mehr mit seinen alten Kumpeln. Obwohl Erik aus der Clique ihn eigentlich auf das Heidentum gebracht hatte. Irgendwann hatte er so ein uraltes Buch mitgebracht, über die Helden der Germanen. Irgendwie hatte Jens das fasziniert, er hatte weitergesucht und schließlich war er bei diesem Verein gelandet, im Internet. Da hatte er das Gefühl, angekommen zu sein. Und das Treffen, das er besuchten konnte, hatte ihn voll bestätigt.

Wahrscheinlich warteten seine Eltern nur darauf, dass er in seine alten Gewohnheiten zurückfiel. Lügen, stehlen, naja und noch ein paar unschöne Dinge. Aber Jens wollte sich nicht provozieren lassen. Diesmal nicht!

Er wollte diesmal mit dem Verstand kämpfen, mit Weisheit. Schließlich war Odin sein Fultrui. Und wo findet man Weisheit? In Mimirs Brunnen. Genau dahin war Jens unterwegs. Allerdings glaubte er selber nicht so richtig an seinen Erfolg. Wenigstens hatte er es versucht.

Während Jens so seinen Gedanken nachhing, war er ein ganzes Stück tiefer in den Wald gelaufen. Es sah so aus, als würde es etwas heller und richtig, nach einem kurzen Wegstück öffnete sich der Wald auf eine Lichtung. In deren Mitte stand ein Baum. Was für ein Baum wusste Jens nicht, Botanik war nicht seine Stärke. Jedenfalls war er wohl mächtig alt, denn sein Stamm hatte einen ziemlichen Durchmesser. Instinktiv war Jens klar, dass er zu diesem Baum musste. Langsam umrundete er ihn, beeindruckt von den Ausmaßen. Als er halb herum war, erkannte er eine Spalte im Stamm. Eine große Spalte, groß genug für Jens. Jetzt begann sein Herz doch, schneller zu klopfen. Er zwängte sich in den Stamm und fand sich am oberen Ende einer Treppe wieder.

Vorsichtig tastete er sich Stufe um Stufe nach unten. Es war nicht ganz dunkel, obwohl keine Lichtquelle zu finden war. Jens hatte das Gefühl, der Abstieg würde kein Ende nehmen. Inzwischen war ihm sogar kalt. Um ihn herum war Erde. Braune, feuchte Erde, durchzogen von Wurzeln. Dicke Wurzeln, dünne Wurzeln, ganz feine Wurzeln.

Aber dann kam er doch unten an. Die Treppe endete in einer Art Höhle, die von Wurzeln durchzogen wurde. Eine ganz besonders dicke Wurzel lief am hinteren Ende der Höhle entlang und verschwand im Dunkeln. Jens folgte dieser Wurzel. Denn er wusste, Mimirs Brunnen lag unter der Wurzel Yggdrasils, die zu den Reifriesen wächst. Und so war es.

Nachdem Jens der Wurzel durch einen Gang gefolgt war, erreichte er einen Brunnen. Jetzt war es mit seiner Ruhe vorbei. Sein Herz schlug wie wild und ihm wurde schwindelig. Er hatte es geschafft. Er hatte Mimirs Brunnen gefunden. Für ihn bedeutete das auch, dass die Götter ihn für würdig hielten, mit ihnen zu gehen. Sonst hätten sie ihm kaum erlaubt, hierher zu kommen.

Jens schluckt, während er sich vorsichtig dem Brunnen näherte. Auf seinem Rand lag wie erwartet das Horn, Gjallarhorn, mit dem Mimir jeden Morgen seinen Trunk aus dem Brunnen geschöpft hatte.

Auf einmal fragte sich Jens, was er hier zu finden hoffte. Mimir war nicht mehr hier. Die Wanen hatten ihn getötet. Damals, als die Asen und Wanen nach dem großen Krieg Geiseln ausgetauscht hatten. Mimir war zusammen mit Hönir zu den Wanen geschickt worden, im Austausch mit Njörd und Freyr, die zu den Asen kamen. Die Wanen fühlten sich betrogen, als sie merkten, dass Hönir ohne Mimir keine Entscheidungen traf, obwohl er ihnen von den Asen als Führer angepriesen worden war. Mimirs Kopf hatten sie zu Odin gebracht, der ihn mit Kräutern und Zaubern am Leben erhielt, so dass er sich weiterhin Rat holen konnte.

Aber wie konnte Jens hier Rat finden?

„Allvaters Auge“, fiel ihm ein. Das Auge, das Odin opfern musste, um aus dem Brunnen der Weisheit trinken zu dürfen. Jens legte die Hände auf den Rand des Brunnens und wagte es langsam, hineinzusehen. Weil er vor Aufregung so heftig atmete, kräuselte sich die Oberfläche und Jens sah gar nichts. Enttäuscht hob er den Kopf und versucht, sich zu beruhigen. Da begegnete sein Blick dem eines Einäugigen, der ihm gegenüber am Brunnenrand stand. Mit Hut und Umhang und einem spöttischen Lächeln um die Lippen.

Teil 2 folgt!

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