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Gut gerüstet – Teil 1

„Heiden gehören nach draußen!“ Hendrick hörte im Geist die Stimme seiner Mutter, während er wütend vorwärts durch den Wald stapfte.

Zugegeben, manchmal hatte er sich auch etwas „normalere“ Eltern gewünscht, die wenigstens bei Sturm im wohlig warmen Wohnzimmer saßen und mit ihren Kindern heißen Kakao tranken. Seine Eltern tranken auch heißen Kakao mit ihm und seiner Schwester, wenn es ein kalter Abend war. Aber nicht im Wohnzimmer, sondern vor dem Zelt, so weit wie möglich draußen.

Doch bis auf ganz wenige Ausnahmen, hatte ihm die Waldläuferei riesigen Spaß gemacht. Draußen sein, Feuer machen, kochen, einen Unterschlupf bauen, Bäume und andere Pflanzen und Tiere kennenlernen. Einfach wissen, wie man sich in der Natur bewegt.

Er war auch nicht wütend, weil er nicht wusste, wie er hier, mitten im Wald in einer unbekannten Gegend, zurecht kommen sollte. Er war wütend, weil seine Mitschüler ihn offensichtlich einfach sitzen gelassen hatten.

Sie waren auf einer Klassenfahrt und heute sollte so eine Art „Abenteuertag“ sein. Die Lehrer hatten sie in drei Gruppen aufgeteilt und an verschiedene Orte gebracht. Von dort sollten sie sich auf eigene Faust zurück zum Schullandheim durchschlagen. Während der ersten Pause war Hendrick einfach eingeschlafen. Das war das Erste, worüber er wütend war. Sowas war ihm noch nie passiert. Und als er aufwachte – war er allein.

Er vermutete, dass seine Mitschüler ihn auf die Probe stellen wollten. Sie waren oft ungläubig gewesen, wenn er von seinen Ausflügen mit und auch ohne seine Familie erzählte. Ein guter Anteil Neid war sicher auch dabei gewesen.

Naja, seinen Rucksack hatten sie ihm gelassen. Hendrick grinste, denn damit war er für allerlei gewappnet. Er dachte lächelnd an die Anfänge, als seine Eltern ihn und seine Schwester damit gelöchert hatten, was ihrer Meinung in so einen Rucksack hineingehörte. Seine Mutter hatte ihnen Packlisten gegeben, um zu erreichen, dass sie sich selber um ihre Sachen kümmerten. Im Laufe der Zeit, war ein nützliches Paket zusammengekommen und für Hendrick bedeutete dieser Tag nur eine weitere Bewährungsprobe seiner Ausrüstung.

Er sah kurz zum Himmel. Leider zogen immer mehr Wolken auf, die allmählich auch immer dunkler wurden. Das bedeutet wohl, dass es etwas ungemütlich werden würde. Vorsorglich kramte Hendrick schon mal sein Regenzeug hervor. In den Taschen fand er zwei Müsliriegel. „Typisch Mama“, dachte er.

Er warf einen Blick auf seinen Kompaß. „Müßte stimmen“, murmelte er. Wie es seine Gewohnheit war, hatte er sich vor der Fahrt über die Gegend informiert. Er hatte nichts von diesem Abenteuertag gewusst, war aber immer auf der Suche nach geeigneter Gegend zum Waldlaufen.

Der Wind frischte etwas auf und bald fielen die ersten Tropfen. Hendrick zog die Kapuze tief in die Stirn. Jedenfalls würde er nicht durchnässen. Eine Weile bahnte er sich so seinen Weg durch das Unterholz. Immer darauf bedacht, nicht über Bauwurzeln oder ähnliches zu stolpern.

Es war zwar nicht besonders gemütlich, aber Hendrick machte sich mehr Gedanken um seine Mitschüler, als um sich selbst. Er war sicher, dass sie nicht so gut augerüstet waren, wie er. Sie hatten einen Kompaß, eine Karte der Umgebung und auch Proviant mitbekommen, das Ganze sollte ja ein Spaß sein, aber auf widrige Verhältnisse waren sie sicher nicht eingestellt.

Teil 2 folgt

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