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Gut gerüstet – Teil 2

Hendrick hatte das Gefühl, nicht alleine zu sein, doch der Regen fiel wie ein dichter, grauer Vorhang und nahm ihm die Sicht. Ihn ängstigte dieses Gefühl nicht. Er hatte immer, wenn er draußen war, das Gefühl, den Göttern besonders nah zu sein. Diese Art Regen war sicher von der Sorte, die Frey schickte, um die Erde zu segnen, also warum sollte er nicht selber in der Nähe sein?

Langsam fing Hendricks Magen an zu knurren. Zum Glück hatte er ja die Müsliriegel in der Jackentasche. Die waren jetzt gerade richtig.

Endlich wurde der Regen weniger und hörte dann ganz auf. Hendrick schob die Kapuze nach hinten und öffnete die Jacke, denn inzwischen war ihm ganz schön warm geworden. Aufmerksam sah er sich um, denn trotz der Müsliriegel hatte er noch immer Hunger. Nachdem er mal wieder mit seinem Kompaß kontrolliert hatte, dass er noch in die richtige Richtung unterwegs war, kam er an eine kleine Lichtung. Dort wollte er eine Pause machen. Hendrick wühlte in seinem Rucksack. Er überlegte, ob er die Rettungsdecke auspacken sollte, um sich auf die nasse Erde zu setzen. Nein, das war nicht nötig, er zog sein Regenzeug aus und breitete es auf dem Boden aus. Das reichte vollkommen, die Sachen waren sowieso naß.

Aus dem Rucksack holte er eine kleine Metalldose und eine aus Plastik mit wasserdichtem Deckel. Die Metalldose hebelte er mit seinem Taschenmesser auf und setzte noch einen Aufsatz obendrauf. Noch einmal kramte er im Rucksack. Diesmal, um seine Metalltasse und eine weitere Plastikdose hervorzuholen. Die Tasse füllte er mit Wasser aus seiner Flasche, dann zündete er das Gel in der Metalldose an und stellte die Tasse auf den Aufsatz.

Plötzlich musste er lachen. Wenn seine Mitschüler ihn jetzt sehen könnten. Er wusste, dass sie ihn für etwas merkwürdig hielten, aber sie hätten wohl doch nicht geglaubt, dass er auf jeder Wanderung einen Notkocher des Schweizer Militärs mit herumschleppte. Aber so war es. Seine Eltern hatten die Döschen gleich im Zehnerpack gekauft. Sie waren klein, leicht und durch das Gel auch sicher. Und erstaunlich leistungsstark. Das Wasser in seiner Tasse würde im Handumdrehen kochen und sich mit einem Brühwürfel aus einer der Plastikdosen, die außerdem noch Teebeutel und Kekse enthielt, in eine kleine warme Mahlzeit verwandeln.

Die zweite Dose schütze ein Feuerzeug und Streichhölzer vor Feuchtigkeit und als letzte Hilfe noch einen Feuerstahl und selbstgemachten Zunder, um auch unter widrigsten Umständen noch ein Feuer zustande bringen zu können.

Hendrick hätte gerne ein richtiges Feuer gemacht, aber mit Rücksicht auf den Waldboden hatte er sich für den Gelkocher entschieden.

Jeder aus seiner Familie hatte einen dieser Kocher in seinem Rucksack, wenn sie unterwegs waren. So waren auch die Kinder bald sicher im Umgang damit.

Gestärkt durch die Wärme der Suppe packte Hendrick seine Sachen zusammen. Natürlich nicht, ohne den Wesen des Platzes für ihre Gastfreundschaft zu danken und ihnen einen der Kekse aus der Plastikdose zu hinterlassen.

Er machte sich wieder auf dem Weg. Doch diesmal kam er nicht weit. Er hörte Rufen. Erst leise und dann immer lauter. „Heeeeeendrik!“ Es war einer seiner Lehrer. Oh, sie waren offensichtlich auf der Suche nach ihm. Wie nett. Doch bevor er die Lichtung in die Richtung der Rufe verließ, sah er aus dem Augenwinkel eine Gestalt an einem Baum lehnen. Sie war groß und stütze sich auf einen knorrigen Stock. Einen Schlapphut hatte sie schräg ins Gesicht gezogen, so dass Hendrick nur ein Auge sehen konnte. Ein blauer Umhang wehte leicht im Wind und die Lippen umspielte ein leichtes Lächeln, als die Gestalt anerkennend nickte. Hendrick dreht den Kopf, aber von der Gestalt war nichts mehr zu sehen. „Heil Wanderer“, flüsterte er, dann machte er einen Schritt in den Wald hinein und rief „Ja, hier bin ich!“

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